Potamos 014 - Muse by numbers: Interpolation syndrome?

Muse by numbers? Auf ihrem aktuellen Album "Will of the people" kopieren sich Muse ungeniert selbst.

Potamos 014 - Muse by numbers: Interpolation syndrome?
(C) Waner Records 2022
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"Will of the people" hei√üt das neue Album der britischen Bombast-Rocker Muse. Aber ist es wirklich des Volkes bzw. der Fans Wille, dass die 10 neuen Songs teilweise so stark an √§ltere Tracks erinnern, dass man hier nur von Selbst-Interpolation sprechen kann? In einem Keyboard-unterst√ľtzen Track-by-Track-Review geht Potamos investigativ dem auf den Grund, und dabei kommen wir zu erstaunlichen musiktheoretischen Erkenntnissen! 

Follow-Ups

  • 9-Euro-Ticket: Der VRS (auch VRR & AVV) verl√§ngert das "9-Euro-Gef√ľhl" in NRW an den Wochenenden im September und Oktober und die kompletten Herbstferien (04-14. Okt.) ... ooooh, praktisch f√ľr die Spiel22 in Essen - die Brettspielmesse! (√ľber die wir nat√ľrlich ausf√ľhrlich potamieren werden ...)
  • Der Literaturkritiker Dennis Scheck stellte seine Lieblings-Comics in Bochum vor - die l√§ngst √ľberf√§llige Anerkennung der Comics als Hochkultur?
  • Und jetzt zum Sport: Aktuell findet die Basketball-EM, u.a. in K√∂ln statt. Die deutschen M√§nner stehen im Achtel- bzw. inzwischen im Viertelfinale
  • Die Fussball-EM im vergangenen Sommer hat begeistert, ohne dass M√§nner auf dem Rasen waren. Wenn dieser Tage von Profi-Fu√üball berichtet wird, wird oft vergessen zu erw√§hnen, dass ¬†nicht Frauen auf dem Platz stehen.

Muse "Will of the People"
Song-by-Song-Review und Analyse

Auszug aus dem Promo-Text zum Album:
"Eigentlich wollte die Plattenfirma von Muse ¬Ľnur¬ę die Titelliste f√ľr eine potenzielle Best-of-Compilation haben. Aber darauf hatte das Trio um S√§nger und Gitarrist Matt Bellamy irgendwie keine Lust. Stattdessen hat die Band kurzerhand neue Songs geschrieben, die jeweils auch auf einem der vorangegangenen Muse Alben h√§tten stehen k√∂nnen. So wurde ¬ĽWill Of The People¬ę quasi ein Best-of-R√ľckblick, nur eben mit brandneuen Songs."
(Hervorhebungen von Potamos) Hmm ... klingt irgendwie nach dem Schönreden von "Die Band musste schnell ein Album fertigstellen und hatte keine Zeit, sich etwas Originelles auszudenken."

Klassik-Interpolationen spielten bei Muse schon immer eine große Rolle. Dazu hat David Bennet ein informatives Video erstellt:

Die Songs auf "Will of the People" sind gr√∂√ütenteils nach bew√§hrten Mustern gestrickt, so finden sich Anleihen an √§ltere Muse-St√ľcke in den Akkordstrukturen, dem Arrangement und den benutzten Sounds. Hier einige im Podcast angesprochenen Beispiele:

  • "Will of the People": Glam-Rock-Nummer, erinnert an Marylin Mansons: "The beautiful people" und - wegen des Shuffle-Rhythmus' an die Muse-Songs "Uprising" und "Psycho", kommt aber fr√∂hlicher daher (weil in Dur). Sehr simples, aber effektives Riff - h√§tte auch von Status Quo sein k√∂nnen!
  • "Liberation": typische Bellamy-Piano-Power-Ballade, basierend auf Klassik-Vorbildern/-Harmonien √° la Chopin. Vergleichbar mit Muse-Songs wie "United States of Eurasia", "The Globalist" und "Apocalypse now". Mit den multi-layer-"Queen"-Ch√∂ren und Dynamik-Wechseln sind typisches Muse-Arrangement-MArkenzeichen enthalten.
  • "Kill or be killed": Der Muse-Interpolations-Overkill! Ein typisches Beispiel f√ľr "Heavy Metal"-Muse (vgl. "Stockholm syndrome", "The Handler", "Reapers", oder "Assassin" - aber auch: "BYOB" von System of a Down). Das stark verst√§rkte Fl√ľstern kennen wir auch schon aus "Supermassive Black hole".
  • "Euphoria": Der Gitarrensound, das Tempo und die Verwendung von Synth-Arpeggios sind unverkennbar Anleihen an "Knights of Cydonia". Das Gitarren-Thema und die Akkorde sind teilweise fast identisch. In der Bridge-Melodie finden wir einen kleine-Sekunden-Vorhalt in Tateinheit mit einer lydischen Skala (Tritonus!) wie im Chorus von "Time is running out".

Fazit

Insgesamt f√§llt bei der Analyse der Songs auf, dass die Selbst-Interpolationen doch h√§ufig nicht 1:1, sondern subtil ver√§ndert angelegt sind. Kompositorisch setzt Bellamy auf Bew√§hrtes; setzt dies souver√§n, aber wenig originell um. So wirkt das Album als Ganzes zu glattpoliert, √ľberproduziert, es enth√§lt leider keine neuen "√úber"-Songs. Unsere Prognose: Viele Songs werden ¬†es nicht ins langfristige Live-Repertoire schaffen. Die Highlights sind "Won't stand down", "Compliance" und "Will of the People".